Kein Glück für Christian Schiester in Costa Rica: Schon kurz nach dem Start zur zweiten Etappe stürzte er und verletzte sich am Knie. Auch wenn sich der Steirer mit großen Schmerzen auf diesem langen Streckenabschnitt ins Ziel schleppen konnte, musste er doch einen enormen Zeitverlust in Kauf nehmen. Ob der Österreicher bei der dritten Etappe überhaupt antreten kann, ist derzeit fraglich.
Es fällt mir sehr schwer heute überhaupt die richtigen Worte zu finden. Es ist ein emotional enorm schwieriger Moment für mich, dieser Tag war eine sehr harte Lektion. Bereits in den frühen Morgenstunden fiel der Startschuss zur zweiten Etappe – mit rund 60 Kilometern und weit über 3.000 Höhenmetern zumindest den Zahlen nach die härteste Prüfung in diesem Rennen.
Da mir lange und steile Anstiege gut liegen, bin ich trotz der bevorstehenden Strapazen zuversichtlich losgelaufen. Sofort sind wir von unserem Lager auf einer Lichtung wieder in den Dschungel eingetaucht und ich habe mit den Top-Läufern die Führungsarbeit übernommen. Im Zick-Zack ging es durch das Dickicht und im diffusen Licht der Morgendämmerung immer wieder durch Flüße.
Nach etwa drei Kilometern bin ich bei einer dieser Flußquerungen auf einem glitschigen Stein ausgerutscht und mit dem Knie auf einem weiteren Stein aufgeschlagen. Sofort hat mich ein stechender Schmerz in der Patellasehne auf den Ernst der Lage „hingewiesen“.
Binnen Minuten war unter dem linken Knie ein großer Bluterguss zu erkennen. Die weitere Strecke quer über die grün bewachsene Hügellandschaft Costa Ricas war kaum zu bewältigen. Mit starken Schmerzen speziell in den Bergabpassagen konnte ich selten länger als ein paar Minuten laufen.
Fast 60 Kilometer lang habe ich mich durch dieses fremde Land gequält, immer in Gedanken an meine Gesundheit. Bei dieser tropischen Hitze gab es keine Möglichkeiten, um die starke Schwellung zu kühlen. Der Veranstalter hat uns dringend davon abgeraten den Wassertümpeln zu nahe zu kommen, da sich dort gerne Krokodile und Schlangen aufhalten.
Auch auf den sturmgepeitschten Hochebenen im zweiten Abschnitt fand ich kaum Abkühlung. Erst der kalte Schlamm eines kleinen Baches – Schlangen hin oder her – hat kurzfristig die Schmerzen gelindert. Am Ende habe ich es irgendwie ins Ziel geschafft.
Doch der Zeitverlust ist enorm, die Führungsläufer sind viele Stunden vor mir im Camp angekommen. Insgesamt war ich 9 Stunden und 35 Minuten am Weg, eine Topplatzierung ist somit nicht mehr zu erreichen. Ich habe mich monatelang auf dieses Rennen vorbereit und mit nur einer unkonzentrierten Sekunde alles aufs Spiel gesetzt. Sehr bitter!
In erster Linie geht es jetzt aber um meine Gesundheit. Ich habe versucht die Schwellung mit einer Salbe und kaltem Wasser aus dieser kleinen Ortschaft namens Terra Morenas zu bekämpfen. Derzeit sieht es allerdings nicht gut aus. Ich kann kaum gehen, das Weitermachen steht daher in Frage. Viele Teilnehmer mussten heute schon vor dem Dschungel kapitulieren. Trotz der schlechten Vorzeichen hoffe ich, dass mich morgen nicht das gleiche Schicksal ereilt.
RUN ON, euer Christian Schiester
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