In unserer neuen Rubrik: "Wissenschaft online" wollen wir euch interessante Themen aus den Bereichen Sportmedizin, Sportwissenschaft, Sportpsychologie, Ernährungswissenschaft und Physiotherapie näherbringen.
In diesen Berichten gehen wir bewusst unter die Oberfläche und versuchen euch mit einer wissenschftlichen Berichterstattung zu begeistern.
Im ersten Teil geht es um "Exercise induced asthma" und "Exercise induced Bronchoconstiction", Beschwerdebilder, welche oft unentdeckt bleiben, aber bei Wettkapfathleten oder Hobbyathleten häufiger diagnostiziert werden als vermutet.
Exercise induced asthma (EIA; Patienten mit diagnostizierten Asthma, bei denen körperliche Belastung ein Trigger (von mehreren) für Atembeschwerden ist) bzw. exercise induced bronchoconstriction (EIB; Patienten ohne Hinweis für ein Asthma bronchiale mit Beschwerden isoliert nach starker körperlicher Belastung)sind ein häufiges Problem unter Wettkampfathleten und ambitionierten Hobbysportler bei Sportarten mit hoher Belastungsintensität (Triathlon, Schwimmen, Langlaufen, Radfahren,...).
Die Schätzungen divergieren und liegen je nach Sportart bei einem Auftreten zwischen 10 % und 50% der Athleten. Neben den klassischen Beschwerden wie Atemnot und Giemen sind manchmal die Symptome unspezifisch. Trockener Husten, schlechte Erholung nach Belastung, ein Druckgefühl auf der Brust, oder vermehrte Sputumproduktion mit einem Maximum 5-15 Minuten nach der körperlichen Belastung können hinweisend für das Vorliegen eines EIA/EIB sein 1-3. Die Symptome sind unzuverlässig und werden daher häufig nicht erkannt oder missinterpretiert. Die langsamere Erholung nach Belastung, oder die verminderte Leistungsfähigkeit werden zum Beispiel Trainingsmangel zugeschrieben. Studien zufolge korreliert der Hustenreiz mit einer Sensitivität von 89% und einer Spezifität von 86% am besten mit der Diagnose einer EIA/EIB.
Geschulte Lehrer und Trainier aber auch Ärzte, die diese Beschwerden rasch erkennen und richtig interpretieren, sind daher unumgänglich. Meisten verschwinden die Symptome nach 30-60 min spontan, es kommen aber leider auch schwere Asthmaattacken vor, die eine Hospitalisierung notwendig machen.
In den USA sind zwischen 1993 und 2003 insgesamt 61 Asthma-assoziierte Todesfälle nach körperlicher Belastung beschrieben worden. Zumeist handelte es sich um sehr junge und sonst komplett gesunde Menschen, die teilweise nicht einmal von der Diagnose EIA/EIB wussten.
Es gibt mehrere Modalitäten um die Verdachtsdiagnose einer EIA/EIB zu erhärten bzw. zu bestätigen. Allen Testmethoden gemeinsam ist es, die reversible bronchiale Obstruktion mittels Lungenfunktion (FEV1) bzw. alternativ auch durch peak flow Messungen zu dokumentieren und in Relation zu den Ausgangswerten zu setzten.
Je nach Testmethode gilt ein FEV1 Abfall von ≥ 10-20%, dokumentiert durch repetitive FEV1 Messung innerhalb der ersten 20 min nach Belastung, als diagnostisch für ein EIA/EIB. Grundsätzlich zielen die meisten dieser Methoden darauf ab, die Verhältnisse während einer starken körperlichen Belastung kontrolliert und reproduzierbar herbeizuführen.
Eine Sonderrolle nimmt da der Methacholintest ein, der nicht indirekt durch Belastung, sondern direkt durch Interaktion mit dem cholinergen Nervensystem eine gesteigerte Reagibilität der Atemwege herbeiführt.
Die Therapie eines EIA/EIB ist angelehnt an dem Therapieprinzip des „normalen“ Asthma bronchiale (GINA guidelines). Vorausgesetzt es treten nur Beschwerden während/nach starker körperlicher Belastung auf, ist eine bedarfsorientierte Therapie gerechtfertigt. Diese wird am besten vor der geplanten Belastung angewendet.
Es stehen zur Bedarfstherapie der EIA/EIB sowohl lang- (LABAs) als auch kurz- (SABAs) wirksame ß-mimetika zu Verfügung. Von Seiten der Studienlage bei EIA/EIB zeigen sowohl SABAs als auch LABAs im Vergleich zu Placebo eine protektive Wirkung. Die Anwendung sollte je nach Substanzklasse (Wirkungseintritt, Wirkungsdauer) 30-60 min vor der Belastung stattfinden. Bei regelmäßiger Anwendung wurde allerdings das Auftreten einer Tachyphylaxie (verminderte Wirksamkeit bei längerer Anwendung) beschrieben.
Leukotriene können eine bronchiale Obstruktion sowie entzündliche Vorgänge in den Atemwegen auslösen. Leukotrienantagonisten (Montelukast) blockieren die Leukotrienwirkung und können daher ein EIA/EIB stabilisieren. So konnte in Studien gezeigt werden, dass durch die Einnahme von Leukotrienantagonisten 2 Stunden vor Belastung der durchschnittliche FEV1 Abfall von im Schnitt - 18,5% auf - 10,9% im Vergleich zu Placebo verringert werden konnte. Die Nebenwirkungen waren vergleichbar zur Placebogabe.
Inhalative Steroide (Betamethason, Fluticason, Budesonide) sind aus der klassischen Asthmatherapie nicht wegzudenken und hoch effektiv. Die bedarfsorientierte Anwendung vor körperlicher Belastung zur Prävention eines EIA/EIB ist aber statistisch nicht signifikant wirksamer als Placebo. Inhalative Steroide sollten daher vorzugsweise als regelmäßige Basistherapie bei einem EIA/EIB eingesetzt werden. In den Studien, die die Wirksamkeit von inhalativen Steroiden bei EIA untersucht haben, sind keine Nebenwirkungen berichtet worden.
Mastzellstabilisatoren (Nedocromil, Cromoglicinsäure) repräsentieren eine weitere Therapieoption. Sie verhindern die Degranulation von Mastzellen und damit die Histaminfreisetzung. Studien zur Wirksamkeit von Mastzellstabilisatoren bei EIA/EIB zeigen bei einer Einnahme von 15-60min vor Belastung eine signifikant besser Wirkung als Placebo.
Anticholinergika (Ipratropiumbromid, Tiotropiumbromid) halten immer mehr Einzug in die Therapie des Asthma bronchiale. Sie wirken bronchialerweiternd und entzündungshemmend. Auch im Bereich des EIA/EIB konnte eine protektive Wirkung in zahlreichen Studien gezeigt werden. Von Seiten der Nebenwirkungen wurde über trockenen Mund, Durstgefühl und bitteren Geschmack berichtet.
Ein Aufwärmtraining (warm-up) mit unterschiedlicher Intensität und Dauer konnte in einigen Studie eine ähnlich gute Wirkung, wie so manche pharmakologische Maßnahme zeigen und ist daher zur Prävention einer belastungsinduzierte bronchialen Obstruktion geeignet. Neben einem „warm-up“ ist auch ein sogenanntes „cool-down“ in der Prävention eines EIA/EIB nach Belastung wirksam.
Grundsätzlich ist bei Wettkampfathleten auf die legale Anwendung von Medikamenten zur Behandlung eines EIA/EIB zu achten, um unerlaubtes Doping zu vermeiden. Weder inhalative Steroide, Mastzellstabilisatoren, Anticholinergika, noch Leukotrienantagonisten stehen auf der Dopingliste der NADA.
Alle ß-mimetika bis auf Salmeterol, Salbutamol und Formoterol sind verboten. Voraussetzung für die Verordnung ist die Diagnose eines Asthma bronchiale bzw. eines EIA/EIB, die mittels 1x jährlicher Lungenfunktionsuntersuchung bzw. Provokationstest gesichert ist.
Eine medizinische Ausnahmegenehmigung ist für alle Substanzen zu beantragen, die auf der Dopingliste angeführt sind.
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