Die WALK- & LAUFAKADEMIE
FLOWSPORTS-Hobbysportler

Sportmedizinische Diagnostik – Begriffserklärung

Anamnese kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „Erinnerung“. In einem entspannten Gespräch zwischen Dir und dem Arzt werden bisherige Erkrankungen erhoben (sofern vorhanden bzw. bekannt), Beschwerden gedeutet und nach Symptomen gezielt gefragt, die bisherige Medikamenteneinnahme kritisch durchleuchtet (sind die Medikamente noch optimal, gibt es bessere Präparate, können einzelne Präparate reduziert oder sogar gestrichen werden [...weniger ist oft mehr...], ist die Therapie ausreichend?, kann sie optimiert werden?). Eine gute Anamnese benötigt Zeit, denn nur so kann sich der behandelnde Arzt ein genaues Bild über Ihre Gesundheit machen.

Nach dem Anamnesegespräch erfolgt die physikalische Untersuchung. Hierdurch können Krankheiten erkannt werden, die vielleicht noch gar keine Beschwerden machen. Früherkennung und Prävention ist der effektivste Ansatz in der Medizin! Andererseits können unspezifische Beschwerde einzelnen Organsystemen zugeordnet werden, womit die weiter Abklärung effektiver ablaufen kann.

Die Blutdruckmessung ist eine einfache und wichtige Untersuchung bei einer internistischen Statuserhebung. Der Blutdruck ist der Druck, der auf die Gefäßwand wirkt und gleichzeitig auch der Druck, dem das Herz ausgesetzt ist. Je höher der Druck, desto höher die Abnützung der entsprechenden Strukturen- also pure Physik – zumindest vereinfacht betrachtet. Ist der Druck über längerer Zeit zu hoch (Jahre!) beginnen am Herzen und auch an den Gefäßen Umbauvorgänge. Diese Umbauvorgänge (z.B. Verdickung des Herzmuskels, Versteifung der Gefäßwand, Abnützung der inneren Gefäßschichten „Endothel“) beeinflussen die Organfunktion sind leider oft unumkehrbar (irreversibel). Ein steifes Gefäß platzt zum Beispiel leichter (Stichwort: Schlaganfall) und ein verdickter und damit nicht mehr so elastischer Herzmuskel kann nicht mehr dieselbe Leistungsfähigkeit erbringen wie ein gesunder, elastischer Herzmuskel. Insgesamt sinkt daher die Leistungsfähigkeit des Körpers und das Risiko für Komplikation steigt. Wichtig ist daher ein rechtzeitiges Erkennen eines erhöhten Blutdrucks, denn nur dadurch können Folgeschäden minimiert oder gar verhindert werden.

Die Ergometrie oder Belastungs-EKG ist eine besonders wertvolle Untersuchung. Einerseits ist die erbrachte Leistung Basis für jede Trainingsempfehlung, anderseits werden die Grenzen des kardiozirkulatorischen Systems (Herz/Kreislaufleistung) erfasst. Ein Training ohne Überprüfung der Leistungsfähigkeit des Herzens und der Kreislauffunktion (Bluthochdruck unter Belastung) ist oft ineffektiv und im schlimmsten Fall sogar gefährlich. Gerade unter Belastung können im EKG Probleme sichtbar werden, die im entspannten Ruhezustand nicht sichtbar sind und damit wertvolle Frühhinweise für eine bestehende Herzerkrankung liefern.

Die Ergometrie mit Laktatmessung ist für den Hobbysportler/In bis hin zum Leistungssportler/In interessant, die genau über ihre persönlichen Trainingsbereiche informiert sein wollen und ist eine Möglichkeit die anaerobe Schwelle abzuschätzen. Die anaerobe Schwelle tritt dann auf, wenn neben der aeroben Energiebereitstellung für die Muskulatur auch anaerob Energie bereitgestellt wird. Dabei entsteht neben Pyruvat auch Laktat, das von der Muskulatur über das Blut im gesamten Körper verteilt wird. Deshalb kann das Laktat auch im Blut gemessen werden. Einige Organe wie Leber, Niere und Herz können das von der Muskulatur gebildete Laktat abbauen – es besteht daher ein niedriger konstanter Laktatspiegel, wenn Produktion und Abbau sich die Waage halten.

Übersteigt allerdings die Laktatproduktion die Abbaukapazität, steigt der Laktatspiegel im Blut rasch an und die Leistungsgrenze ist bald erreicht (anaerobe Schwelle). Menschen die wenig, oder keinen Sport betreiben, haben eine niedrige anaerobe Schwelle und daher eine geringere Leistungsfähigkeit, da die Mitochondriendichte (Mitochondrien dienen zur lokalen Energiebreitstellung) und die Kapillardichte (Kapillaren sind kleinste Gefäße, die die Muskulatur mit Blut und damit mit Sauerstoff und Energie versorgen) gering sind. Durch gezieltes, erfolgreiches Training werden die Mitochondriendichte und die Kapillardichte in der Muskulatur deutlich angehoben. Diese Vorgänge können indirekt in der Laktatergometrie gemessen werden und sind damit ein Maß für Ihren Trainingserfolg. Gemäß Ihrer (sich ändernden) Leistungsfähigkeit und anaeroben Schwelle, kann dann ein gezieltes, optimiertes Trainingsprogramm erstellt werden. Wenn während der Belastung auch ein EKG (Belastungs-EKG) gemacht wird, kann zusätzlich noch die kardiovaskuläre Situation beurteilt werden (siehe Belastungs-EKG).

Eine Herzultraschalluntersuchung gibt Auskunft über die Struktur (Muskeldicke), Leistung (Pumpfunktion, Schlagvolumen) und Größe der einzelnen Herzkammern sowie der Funktion der Herzklappen und ist damit ein wichtige Methode in der Erkennung von angeborenen, als auch erworbenen Herzfehlern und damit unverzichtbar in der modernen kardialen Diagnostik und präventiven Sportmedizin. Die Herzultraschalluntersuchung sollte daher nicht nur bei Leistungssportler sondern bei allen ambitionierten und sportbegeisterten Menschen eine Basisuntersuchung darstellen, um Risiken durch unerkannte Herzfehler bzw. Herzerkrankungen zu erkennen sowie trainingsbedingte Veränderungen im Verlauf zu beurteilen. Es kommt zu keiner Strahlenbelastung, die Untersuchung ist einfach und schnell durchzuführen.

Gerade bei Allergikern, Rauchern, Ex-Rauchern oder Passivrauchern, kann die Lungenfunktionsuntersuchung wertvolle Hinweise für die Früherkennung von Lungenerkrankungen (z.B. COPD, Asthma bronchiale) liefern. Auch Allergien können die Lungenfunktion im Einzelfall einschränken und dadurch die Leistungsfähigkeit beeinflussen. Deshalb ist auch die Lungenfunktion eine wertvolle Untersuchung, denn nur eine gesunde Lunge kann eine optimale Leistungsfähigkeit gewährleisten.

Die Blutabnahme ist oft ein wesentlicher Bestandteil einer internistischen Untersuchung. Hierdurch können Risikofaktoren erkannt (oder ausgeschlossen) werden und Beschwerdebilder bereits interpretiert und im Einzelfall Diagnosen bereits gestellt werden. Blutlaborparameter sind wichtig, sollten aber nie für sich alleine stehen- die Interpretation gemeinsam mit allen anderen zur Verfügung stehenden Information (Symptomen, Vorerkrankungen,…) ist unabdingbar. Regelmäßige (1x jährlich) Blutabnahmen können auch helfen retrospektiv den Beginn von Problemen zu erkennen und damit die weitere Abklärung zu beschleunigen.